Dialog / Bürgerinformation 16.07.2014

Unter den Präsentatoren: Diplom-Geologe Klemens Herbst vom Baugrundinstitut Franke-Meißner und Partner GmbH

„Dezernent Bendel ist begeistert“ – so titelt der Wiesbadener Kurier am 17.07.2014

Architekt Ferdinand Heide im Interview mit Radio RPR1

Anwohnerin der Rheinbahnstraße erhält Antworten auf ihre Fragen zur Lärm- und Staubbelastung während des Rückbaus

Die Bürger möchten weniger Verkehr in Wiesbaden – ein Gedanke, der auch vom Bauherrn berücksichtigt worden ist

Neubau der Rhein-Main-Hallen: „Die Weichen für die Zukunft sind gestellt!“

Ein entscheidender Schritt zum Neubau der Rhein-Main-Hallen ist getan. Pünktlich legt das Architekturbüro Ferdinand Heide die Entwurfsplanung vor. Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel hebt mit Blick auf die nationale und internationale Bedeutung des Projekts hervor: „Die Weichen für die Zukunft sind gestellt. Wir sind auf dem richtigen Weg, die Hallen als führendes Veranstaltungs- und Kongresszentrum am Markt zu platzieren."

Das Planungsteam habe ganze Arbeit geleistet und die im Wettbewerb und Vorentwurf definierten Ziele erreicht, sogar übertroffen: höchste Energieeffizienz, ein noch flexibleres Raumkonzept mit verbessertem Lärmschutz und eine Spitzen-Architektur. Bendel resümiert: „Das sind hervorragende Signale für eine erfolgreiche Entwicklung des Neubauprojektes." Stadtentwicklungsdezernentin Sigrid Möricke sieht damit einen wichtigen Meilenstein im Planungsprozess und erklärt: „Parallel zu dieser Entwurfsplanung haben wir den Bebauungsplanentwurf erstellt, zu dem die Fachämter und alle Bürgerinnen und Bürger bis zum 18. Juli ihre Anregungen vorbringen können. Dieser Bebauungsplan wird dann Grundlage für die Baugenehmigung sein."

Drei Monate hat sich das Büro Heide intensiv mit den Detailausarbeitungen beschäftigt und die Vorentwurfsergebnisse weiter vertieft. Wirtschaftlichkeit nimmt dabei eine große Bedeutung ein, da es sich bei den Rhein-Main-Hallen um ein kommunales Investitionsprojekt handelt. Ein Aspekt, der bereits bei Beauftragung des Frankfurter Architekturbüros Heide berücksichtigt worden ist: Nach Auffassung des Vergabegremiums habe das Büro Heide nicht nur das beste Gesamtkonzept abgegeben, sondern auch das wirtschaftlich tragfähigste. Der Frankfurter Architekt legt jetzt pünktlich die Entwurfsplanung vor.

Wirtschaftlichkeit

Positiv auf den Budgetrahmen für den Hochbau hat sich ausgewirkt, dass sich beim architektonischen, räumlichen und funktionalen Konzept kaum Veränderungen gezeigt haben. „Wir haben die Kostenschätzung der Vorentwurfsabgabe in Form und Inhalt jetzt weiter konkretisiert", erläutert Ferdinand Heide. Noch nicht abschließend planbar seien jedoch exogene Faktoren wie unvorhergesehene Entsorgungskosten, die es in Bauprojekten immer wieder geben könne.

Nachhaltigkeit: Vorzertifizierung in DGNB Gold, Lärmschutz, hoher Tageslichtanteil

Beim Neubau der Rhein-Main-Hallen blickt die Landeshauptstadt Wiesbaden mit einem ökologischen Gesamtkonzept nach vorn: Angestrebt wird die Zertifizierung nach DGNB Gold, eine Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, die weltweit erst ein Kongresshaus erhalten hat. Bereits diesen Oktober, anlässlich der internationalen Fachmesse EXPO REAL 2014 in München, soll die Vorzertifizierung in Gold verliehen werden. Bendel sieht darin große Vorteile: „Der Vorzertifizierungsprozess verläuft im Wesentlichen analog zum Prozess der Zertifizierung, sodass wir die Rhein-Main-Hallen von Anfang an unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit optimieren können." Dementsprechend wird beim Planungskonzept der gesamte Lebenszyklus des Gebäudes betrachtet – von der umweltschonenden und abfallarmen Baustelle bis hin zum Rückbau. „Mit dem Kongress- und Veranstaltungszentrum werden wir Maßstäbe setzen, denn unser Energiekonzept basiert auf den neuesten Umweltleitlinien, hohen Zertifizierungs-Standards und höchster Energieeffizienz", betont der für das Bauprojekt zuständige Bau-Betriebsleiter Henning Wossidlo. Wie die Detailplanung zeigt, erfüllt der Neubau alle Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) und wird damit überaus energiesparend sein: So ist unter anderem bei der Heizungs- und Kältetechnik ein innovatives Abwasser-Wärme-Gewinnungssystem in Verbindung mit einer Wärmepumpen-Anlage vorgesehen.

Einen hohen Stellenwert hat das Planungsteam der Verbesserung des baulichen Schall- und Lärmschutz sowie der Raumakustik beigemessen. „Der größte konstruktive Aufwand – die schwere Stahlbetondecke oberhalb von Halle eins – dient einzig und allein dem Zweck, die Lärmentwicklung in Richtung Wohnbebauung zu reduzieren", hebt Architekt Heide hervor. Zusätzlich haben die schallabsorbierenden Decken, die Wandverkleidungen und die Auswahl von Bauteilen zwischen den einzelnen Nutzungsbereichen laut Heide zum Schallschutz und optimaler Raumakustik beigetragen.

Nachhaltigkeit ist bei den neuen Rhein-Main-Hallen ein relevantes Thema und wird – wie die Entwurfsplanung zeigt – in vielen Punkten umgesetzt: unter anderem in wassersparenden Armaturen und einem Entwässerungskonzept, das auch die Nutzung von Regenwasser vorsieht; in der Verwendung von Baustoffen gemäß der Zertifizierungsvorgaben (beispielsweise Naturstein, Holzverkleidungen) und von Materialien mit PEFC- oder FSC-Zertifikat; sowie in einem Call-a-Bike-System nebst 250 Fahrradstellplätzen. Mit dem Einsatz energetisch optimierter Fenster- und Fassadenflächen spielt ein hoher Tageslichtanteil eine entscheidende Rolle. Die Akzentuierung des Gebäudes durch Licht im Innen- und Außenbereich greift dabei ein bekanntes „Heide-Thema" (zum Beispiel Lichtinszenierung der Osterhafenbrücke bei der diesjährigen Luminale/Frankfurt) beim Neubau der Rhein-Main-Hallen auf. Heide erläutert: „Die Lichtplanung in beiden Hallen verfolgt das Ziel, bei wirtschaftlichem Einsatz aller Leuchtmittel eine bestmögliche Qualität und Stimmung zu erzeugen." Die Halle 1 weise ein gutes Maß an Tageslichtversorgung in den Räumen auf; so gibt es dort neben den lichtdurchfluteten Foyerflächen und ihren großen Oberlichtverglasungen 34 Lichtkuppeln in der Betondecke. In den Nachtstunden werde durch die Beleuchtungssituation im Inneren der Blick auf die elegante Reihung der Kolonnaden und den dahinter liegenden öffentlichen Raum gelenkt. „Genau diese Akzentuierung der öffentlichen Durchwegung und der städtebaulichen Anordnung von den Rhein-Main-Hallen mit ihrer repräsentativen Öffnung zum Grünraum ist unserer Stadt ein wichtiges Anliegen gewesen", hebt Wirtschaftsdezernent Bendel hervor und freut sich über die stringente Weiterverfolgung der städtischen Vorgaben in der Entwurfsplanung.

Hohe Qualität durch hochwertige Materialien

Neben den Licht durchfluteten Flächen werden die neuen Rhein-Main-Hallen durch den Einsatz hochwertiger, heller Materialien bestimmt. Die Foyerflächen weisen helle Natursteinböden auf (zum Beispiel könnte Muschelkalk, Jura, Travertin zum Einsatz kommen). Die Decken sind mit gelochten weißen Gipskartonplatten verkleidet. Die Wände sind entweder verputzt oder mit Schall absorbierenden Holztafeln verkleidet, beispielsweise aus Esche. Dieselben Materialien tauchen im städtebaulichen Umfeld des Gebäudes erneut auf, wie zum Beispiel in der Treppe beziehungsweise der öffentlichen Begehung aus Naturstein oder in den hellen Tönen des Ortobetons in den Kolonnaden und Terrassen. „Die gewählten Fassaden aus hell-beigem Naturstein, ihre Fügung, Gliederung und Materialität bilden die innenräumlichen Qualitäten nach außen ab", erklärt der Architekt und ergänzt: „Sie verleihen den Rhein-Main-Hallen im Stadtraum eine hochwertige städtische Erscheinung". Diese hohe Qualität wird zusätzlich befördert durch die attraktive Einbettung der Rhein-Main-Hallen in den Grüngürtel von Wiesbaden und ihrer fußläufigen Lage zu Innenstadt, Hotels und Gastronomie, die ein Alleinstellungsmerkmal in der nationalen Messe- und Kongresslandschaft ist. Markus Ebel-Waldmann, Geschäftsführer der Rhein-Main-Hallen, ist überzeugt: „Mit der hohen architektonischen Qualität der neuen Rhein-Main-Hallen, die mit einem Höchstmaß an Funktionalität einhergeht, können wir uns an führender Stelle am Markt positionieren."

Größere Bedeutung der Nutzungsflexibilität

Zwischen Vorentwurf und Entwurfsplanung sind zahlreiche Gespräche zum Neubau der Rhein-Main-Hallen mit den Nutzergruppen geführt worden. Unter ihnen ist die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), bis heute eine der größten wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften Deutschlands und mit dem Internistenkongress einer der wichtigsten Ankermieter des Wiesbadener Kongresszentrums. Mit einem eigenen Gutachter hat sich die DGIM die Pläne zur Raumaufteilung angesehen und ist zu dem Entschluss gekommen, dass der Kongress in den Rhein-Main-Hallen in Zukunft machbar wäre. Neben diesen Nutzergesprächen ist auch die Abstimmung mit den Verantwortlichen der Stadt in das Planungskonzept eingeflossen. Über das Ergebnis ist Ebel-Waldmann mehr als erfreut: „Die hohe Flexibilität ist für unsere Kunden ideal: Gegenüber dem Vorentwurf hat die Nutzungsflexibilität nochmals an Bedeutung gewonnen."

Veranstaltungen aller Art und Größenordnung sind durch die enorme Flexibilität des Raum- und Funktionskonzepts der neuen Rhein-Main-Hallen möglich. So sind alle Hallen und Break-Out-Räume durch mobile Wände teilbar, die in sogenannten „Taschen" in Halle 1 oder offen vor den Innenwänden in Halle 2 geparkt werden. Architekt Heide zu den Details der großen Halle 1: „Die Halle lebt von ihrer Flexibilität, die durch die enorme Raumhöhe von 15 Metern, das mobile Tribünensystem und die Teilbarkeit in Segmente gegeben ist." Zwei mobile Trennwände ermöglichen diverse Hallenteilungen und Szenarien mit eigenen kleinen Foyers für einen gleichzeitigen Vortrags-, Veranstaltungs- und Messebetrieb von Industrieausstellungen. Mit innovativer Technik wollen die neuen Rhein-Main-Hallen weitere Akzente setzen. Wossidlo erläutert: „Das herausfahrbare Teleskopbühnensystem mit rund 3.000 Plätzen, das zehn mal fünf Meter große, befahrbare Bühnenpodium, 30 Kettenzüge und vier ergänzende Maschinenzüge stellen modernste Möglichkeiten der Veranstaltungstechnik bereit und erlauben je nach Bedarf verschiedene Varianten." Auch die kleinere Halle 2 kann durch die mobilen Trennwände in vier Segmente geteilt und durch die zahlreichen umliegenden Break-Out-Räume flexibel um weitere Kongresssäle erweitert werden. Wie in Halle 1 erfolge auch hier die Ausstattung aller Räume nach höchstem technischen Standard, erklärt Wossidlo: „In allen Kongresssälen setzen wir modernste Medientechnik ein." So haben die höherwertig ausgestatteten Räume nach aktuellem Stand der Technik eine durchgängige digitale Bewegtbild-Glasfaseranbindung; alle Säle verfügen über eine sehr gute Grundausstattung. Wossidlo ist überzeugt: „Die Möglichkeit, den neuesten Stand der Veranstaltungstechnik jederzeit ergänzen zu können, hält die perfekte Bespielbarkeit des Hauses langfristig auf höchstem Niveau."