Architekturwettbewerb zu den neuen Rhein-Main-Hallen: TNS Emnid stellt Ergebnisse der Bürgerumfrage vor

Im Rahmen des Architekturwettbewerbs zu den neuen Rhein-Main-Hallen hatten die Wiesbadener Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Meinung zu den eingereichten Entwürfen zu äußern.

»Ein besonderer Dank gilt allen Bürgerinnen und Bürgern für die rege Beteiligung an der Umfrage zu den Entwürfen des Architekturwettbewerbs zum Neubau der Rhein-Main-Hallen. Insgesamt haben rund 3.500 Menschen die Architekturausstellung in den Rhein-Main-Hallen besucht. Ein großes Interesse bestand dabei an den 35 durchgeführten Führungen. Das zeigt: Unser Ansatz, die Bürgerinnen und Bürger von Beginn an einzubinden, ist der richtige Weg und wird entsprechend positiv wahrgenommen«, so Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel und Stadtentwicklungsdezernentin Sigrid Möricke einstimmig. Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer von TNS Emnid Medien- und Sozialforschung GmbH fügte mit Blick auf die zusätzliche telefonische Befragung von 1.000 zufällig ausgewählten Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern hinzu: »Die Umfrageergebnisse zeigen: Knapp 90 Prozent der Befragten erachten die Rhein-Main-Hallen als wichtig für die Stadt Wiesbaden. Außerdem halten etwa 93 Prozent die Möglichkeit, ihre Meinung zum Bauvorhaben zu artikulieren, für sehr gut oder gut.«

Schöppner erläuterte darüber hinaus den Blickwinkel der befragten Bürgerinnen und Bürger: »Die Komplexität des Neubauvorhabens der Rhein-Main-Hallen wurde auch in der Befragung deutlich. Ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger wollte auf Basis der ihnen vorliegenden Informationen kein Urteil abgeben, welcher der Entwürfe zu bevorzugen sei. Großen Einfluss auf die Meinungsbildung der 126 Befragten, die eine Tendenz für einen der Entwürfe äußern konnten, hatte dabei die Bildsprache der abgebildeten Impressionen. 50 Prozent dieser 126 Befragten bevorzugten Entwurf B, 25 Prozent Entwurf D und 14 Prozent Entwurf A. Darüber hinaus wurden pragmatische Aspekte von den Befragten deutlich wichtiger eingeschätzt als die Architektur. So waren den Befragten Anforderungen wie gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, der Schutz der Grünanlagen, die Einhaltung der geplanten Baukosten, die Möglichkeit zur Durchführung von Großveranstaltungen und ausreichender Parkraum am wichtigsten.«

Bendel hob im Rahmen der Pressekonferenz das breite Informationsangebot hervor, das gut von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen wurde: »Es haben sich mehr als 200 Interessierte in der Zeit der Ausstellung an das Bürgertelefon gewandt. Auch die Zugriffszahlen von mehr als 19.500 Klicks auf das entsprechende Informationsangebot im Internet zeigen das große Interesse«, so Bendel. Darüber hinaus machte er deutlich, dass aus Sicht der TriWiCon insbesondere die Nutzerinnen und Nutzer der neuen Hallen im Mittelpunkt der Diskussion zu den Entwürfen stehen müssen: »Aus meiner Sicht stellt insbesondere die Forderung nach hoher Funktionalität ein ganz wesentliches Kriterium dar, das bei den aktuellen Vergabegesprächen neben den Anmerkungen des Preisgerichts zu berücksichtigen ist. Nur so können wir sicherstellen, dass die neuen Rhein-Main-Hallen wieder den Wirtschaftsmotor für Wiesbaden und die Region darstellen können, den wir uns alle gemeinsam wünschen.«

Ebenso dankte Stadtentwicklungsdezernentin Sigrid Möricke allen Bürgerinnen und Bürgern und resümierte: »Viele der Wiesbadenerinnen und Wiesbadener haben sich die Zeit genommen und sich mit den Entwürfen auseinandergesetzt. Das zeigt, wie außerordentlich den Bürgerinnen und Bürgern ihre Stadt und die Stadtentwicklung am Herzen liegen. Uns sind die Anregungen der Bevölkerung sehr wichtig und wir werden uns eingehend damit beschäftigten. Darüber hinaus werden sich sicherlich auch die TriWiCon als Bauherr und natürlich die Architekten mit den geäußerten Kommentaren auseinandersetzen«, so Möricke. »Die Bewertungen der Wiesbadener Bürgerinnen und Bürger werden wie angekündigt in eine Empfehlung an die Politik einfließen. Mit den Preisträgerarchitekturbüros werden aktuell Vergabeverhandlungen geführt, um den Entwurf herauszuarbeiten, der letztlich umgesetzt wird«, erläuterte Möricke die weiteren Schritte, die sich der Ausstellung und der Umfrage anschließen. Sie betonte: »Wir befinden uns in einem dynamischen Prozess, in dem sich die bisher vorgelegten Konzepte noch verändern werden. Die Anmerkungen des Preisgerichts sowie Kriterien wie beispielsweise die Baukosten fließen in die Anpassungen der Entwürfe ein. Wir sind bereits sehr gespannt, wie sich die Entwürfe nach dem Verhandlungsverfahren weiterentwickelt haben und werden die Bürgerinnen und Bürger kontinuierlich weiter informieren.« Unabhängig von diesem Vergabeverfahren für die Architekturleistungen wird parallel das Verfahren zur Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für die neuen Rhein-Main-Hallen eingeleitet. Es startet mit einer frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit am 29. April 2013.

Die Ergebnisse der Bürgerbefragung sowie alle weiteren aktuellen Informationen werden wie gewohnt auch auf der Webseite www.wiesbaden.de veröffentlicht und können dort von allen Interessierten eingesehen werden.

Eine Kurzanalyse von Klaus-Peter Schöppner (TNS Emnid)

Bürgerbefragungen zum Neubau der Rhein–Main–Halle

TNS Emnid hat zwischen dem 25. März und 4. April 2013 1.000 Bürger Wiesbadens ab 16 Jahren repräsentativ um ihre Meinung zum Neubau der Rhein-Main-Hallen gebeten. Ergänzt wurde die Studie durch 1.122 Studio- und Telefoninterviews interessierter Bürger, bei deren Durchführung es keinerlei Zugangs- oder Repräsentativitätseinschränkungen gab. Deren Ergebnisse stellen also ein nur unspezifisches Meinungsbild dar, zumal hochgebildete ältere Bürger massiv überrepräsentiert waren ..

Die Hauptergebnisse der Repräsentativbefragung im Überblick:

1: Wiesbadens Bürger sind extrem zufrieden mit dem Vorgehen der Stadt Wiesbaden bei der Stadthallenplanung. Noch deutlicher als bei der Standortumfrage vor einem Jahr attestierte diesmal 93 Prozent der Wiesbadener Zustimmung mit Transparenz und Bürgerbeteiligung bei der Entscheidungsfindung.

2: Die Stadthalle hat eine sehr hohe Bedeutung für die Bürger Wiesbadens. Da sie für 89 Prozent ein wichtiger Bestandteil der Stadt ist, ist von einer Mehrfach-Wichtigkeit auszugehen: Als Unterhaltungsstätte, Kulturzentrum, Messe-Ort, als Wirtschaftsfaktor, aber auch als wichtige Imagekomponente.

3: Im Kontrast zu dieser hohen Bedeutung und zur intensiven Medienarbeit bzgl. des Architekturwettbewerbs sind 17 Prozent Wiesbadener Bürger, die die Diskussion um den Neubau, intensiv verfolgt haben, eine erstaunlich geringe Quote

4: Bei der Frage, welche Aspekte beim Neubau eine besondere Rolle spielen sollten, stehen pragmatische Kriterien wie Erreichbarkeit, Schonung der Grünanlagen, Baukosten, Durchführungsmöglichkeit von Großveranstaltungen sowie ausreichender Parkraum im Zentrum. Architekturkriterien liegen im Bevölkerungsurteil weit hinten.

5: Da offensichtlich pragmatische vor architektonischen Kriterien dominieren, haben trotz hoher Mediendichte nur 15 Prozent der Wiesbadener die in Frage kommenden Modelle so intensiv betrachtet, um nähere Informationen über verschiedene Gestaltungselemente abgeben zu können.

6: Geringe Kenntnis, gepaart mit der besonderen Bedeutung funktionaler Elemente, führen dazu, dass die Bewertung der Architektur eher unerheblich und zudem tendenziell abhängig von Gestaltung, Fotoqualität und Blickwinkel der zur Verfügung gestellten Bildern ist.

7: Im Ranking der drei übrig gebliebenen Modelle schnitt der Entwurf Engel (B) leicht besser ab als der Entwurf Heide (D), diese beiden merklich besser als der Entwurf Staab (A). Da im Entwurfsstadium bei gleichzeitig geringem Bürgerinteresse der Fotogestaltung und -qualität eine besondere Rolle bei der Bewertung zukommt, viele der wichtigen Urteilskriterien durch Fotos also nicht erfasst werden können, ist beim Ranking der Modelle eine hohe Zufallskomponente nicht auszuschließen.

Insgesamt lässt sich festhalten: Die Rhein-Main-Halle ist für die Bürger Wiesbadens vor allem aus pragmatischen Aspekten von hoher Wichtigkeit. Die Realisation dieser Aspekte entscheidet in weit höherem Ausmaß als architektonische Elemente über die Akzeptanz der neuen Halle.

Da der Entscheidungsfindungsprozess der Stadt auf ausgesprochen hohe Zustimmung trifft, ist zu vermuten, dass Umsetzungsdetails eine eher untergeordnete Rolle spielen werden. Die Stadt Wiesbaden hat sich durch ihren transparenten und bürgernahen Umgang einen hohen Vertrauensvorschuss bei ihren Bürgern erworben, die eher auf gut begründete rationalen Kriterien als auf architektonischen Feinschliff Wert legen. Der Stadt wird genügend Expertise zugetraut, eine für die Anliegen der Wiesbadener Bürger gute Lösung zu finden.

 Klaus-Peter Schöppner, TNS Emnid